Fast jedes Unternehmen nutzt Excel. Es ist günstig, flexibel und für jeden verfügbar. Genau deshalb bleibt es so lange im Einsatz, oft deutlich über den Punkt hinaus, an dem es eigentlich Zeit wäre, Excel abzulösen und auf eine dedizierte Softwarelösung umzusteigen.
Was als Übergangslösung gedacht war, wird schleichend zum Dauerprovisorium. Eine Tabelle für die Projektverfolgung, eine weitere für das Controlling, eine dritte für die Kundenverwaltung. Irgendwann hängen 37 verlinkte Tabellen zusammen und bilden de facto ein geschäftskritisches System, das niemand als solches geplant hat.
Der Einstieg ist immer vernünftig
„Können wir das nicht einfach in Excel machen?“ ist eine Frage, die in deutschen Unternehmen täglich fällt. Und sie klingt vernünftig: Excel ist vorhanden, jeder kennt es, es kostet nichts extra. Für schnelle Kalkulationen, erste Analysen und kleine Auswertungen ist Excel das richtige Werkzeug.
Das Problem beginnt dort, wo Excel über seinen Einsatzzweck hinaus wächst. Was mit einer Tabelle beginnt, wird zum Projektmanagement-Tool, CRM und Controlling-System in einem. Drei Monate nach dem harmlosen „Können wir das schnell in Excel tracken?“ sieht die Situation oft so aus: 20 verschiedene Dateiversionen in verschiedenen Ordnern. 15 unterschiedliche Formeln, die nur eine Person versteht. Und ein wachsendes Unbehagen, weil niemand mehr sicher ist, ob die Zahlen stimmen.
Die 5 Warnsignale
Woran lässt sich erkennen, dass Excel vom Werkzeug zum Risikofaktor geworden ist?
1. Versions-Chaos
`Auswertung_final_v3_NEU_korrigiert.xlsx` ist ein Dateiname, den die meisten kennen. Dateien werden per Mail verschickt, jeder arbeitet an seiner eigenen Version, und niemand weiß mehr, welche Datei den aktuellen Stand enthält. Das ist kein Workflow, das ist ein strukturelles Datenqualitätsproblem. Entscheidungen werden auf der Basis unterschiedlicher Datenstände getroffen, ohne dass es jemand merkt.
2. Eine Person versteht die Formeln
In fast jedem Unternehmen gibt es diese eine Person, die „die Excel-Datei“ pflegt. Die mit den verschachtelten SVERWEIS-Formeln, den bedingten Formatierungen und den Makros aus 2019. Diese Person ist das Single Point of Failure des gesamten Prozesses. Wenn sie krank wird, im Urlaub ist oder das Unternehmen verlässt, steht alles still. Nicht weil die Daten weg sind, sondern weil niemand die Logik versteht, die in den Formeln steckt.
3. Abteilungen arbeiten in Datensilos
Vertrieb, Controlling, Produktion: Alle arbeiten mit denselben Grunddaten, aber jede Abteilung in eigenen Dateien. Die Folge sind unterschiedliche Auswertungen bei gleichen Ausgangsdaten. Im besten Fall führt das zu Verwirrung. Im schlechteren Fall zu falschen Entscheidungen, weil unklar ist, welche Zahlen stimmen. Das Grundproblem ist nicht mangelnde Sorgfalt, sondern fehlende gemeinsame Datenbasis.
4. Prozesse hängen an einer einzigen Datei
Wenn ein geschäftskritischer Prozess in einer Excel-Datei lebt, gibt es kein System mit definierten Berechtigungen, Änderungshistorie und Backup-Strategie. Es gibt eine Datei auf einem Netzlaufwerk. Eine falsch gesetzte Formel, ein versehentlich gelöschtes Tabellenblatt oder ein überschriebener Wert kann den gesamten Ablauf lahmlegen. Die Wiederherstellung dauert Stunden bis Tage, je nachdem, ob überhaupt eine Version mit dem letzten korrekten Stand existiert.
5. Filter, die niemand bemerkt
Das ist der subtilste Fehler, weil er unsichtbar ist. Jemand setzt einen Filter und vergisst ihn. Ab diesem Moment sieht jeder, der die Datei öffnet, nur einen Teil der Daten, ohne es zu wissen. Entscheidungen werden auf Basis unvollständiger Informationen getroffen. Berichte zeigen nur einen Ausschnitt der Realität. Und niemand merkt es, bis jemand zufällig auf die Diskrepanz stößt.
Excel ablösen: der Übergang zu einer echten Softwarelösung
Der Wechsel von Excel zu einer dedizierten Softwarelösung muss nicht abrupt passieren. Ein schrittweiser Ansatz funktioniert in den meisten Fällen besser.
Zunächst gilt es zu identifizieren, welche Excel-Prozesse das größte Risiko bergen. Das sind meistens die Prozesse mit dem höchsten finanziellen Hebel, mit vielen Beteiligten oder mit hoher Abhängigkeit von einzelnen Wissensträgern.
Dann setzt man gezielt dort an, wo eine Ablösung den größten Effekt hat. Oft reicht es, einen einzigen kritischen Prozess aus Excel herauszulösen, um sofort spürbare Verbesserungen zu erreichen. Statt Versions-Chaos gibt es eine zentrale Datenverwaltung. Statt Abteilungsinseln greifen die Prozesse ineinander. Änderungen werden nachvollziehbar, statt heimlich in Formeln zu verschwinden. Und Berechtigungen sind definiert, statt dass jeder alles ändern kann.
Die übrigen Excel-Tabellen müssen deshalb nicht sofort verschwinden. Excel bleibt ein gutes Werkzeug für das, wofür es gebaut wurde: Ad-hoc-Analysen, schnelle Kalkulationen, individuelle Auswertungen. Die Grenze verläuft dort, wo aus der schnellen Auswertung ein dauerhafter Geschäftsprozess geworden ist.
Fazit
Excel ist ein Werkzeug, kein System. Als Werkzeug ist es hervorragend. Sobald geschäftskritische Prozesse davon abhängen, wird es zum Risikofaktor. Die fünf Warnsignale helfen bei der ehrlichen Einschätzung, ob der Punkt erreicht ist, an dem eine dedizierte Lösung notwendig wird.

