Motivation im Team: Aufgabe trifft Person

von | 3. März 2026 | Führung & Teams, Unternehmertum

Meine Tochter hat eine Woche als Praktikantin in unserem IT-Unternehmen gearbeitet. Das Ergebnis vorweg: ITlerin wird sie nicht. Aber die Woche hat etwas über Motivation und Aufgabenverteilung sichtbar gemacht, das für jedes Team relevant ist.

Die Ausgangslage

Es war ein Notpraktikum. Schülerpraktikum steht an, keine Bewerbung geschrieben, Deadline rückt näher. Papa hat eine Firma, also los. Keine große Begeisterung, keine besonderen Erwartungen.

Die Aufgaben in der Woche waren bewusst gemischt: 24 Netzwerkkabel mit Beschriftungsfähnchen versehen. Ein AWS-Systemdiagramm in Confluence neu aufbauen, mit Kästchen, Pfeilen und Verbindungen, damit es endlich pflegbar dokumentiert ist. Dazu administrative Kleinigkeiten.

Alles wurde zuverlässig erledigt. Keine Diskussion, keine Nachfragen zu Sinn und Zweck. Im Büro wurde geliefert. Interessant, denn zu Hause wird über deutlich kleinere Aufgaben verhandelt. Aber das ist vermutlich ein allgemeines Eltern-Phänomen und kein Management-Insight.

Der Moment, der etwas gezeigt hat

Dann kam eine Aufgabe, die nichts mit IT zu tun hatte: Tech-Icons auf die Glastür meines Büros malen, damit niemand dagegen läuft, wenn sie geschlossen ist.

Der Unterschied war sofort sichtbar. Bei den IT-Aufgaben war die Haltung „wird erledigt“. Bei den Icons war sie „wird gestaltet“. Kreativität, Eigeninitiative, Stolz auf das Ergebnis. Die Energie im Raum war eine andere.

Der Unterschied zwischen „erledigt“ und „mit Begeisterung gemacht“ war nicht graduell. Er war fundamental. Und er hatte nichts mit Fähigkeit zu tun. Beide Aufgabentypen waren machbar. Der Unterschied lag in der Verbindung zwischen Person und Aufgabe.

Was das für die Führung in Softwareteams bedeutet

In Unternehmen wird viel über Performance, Skills und Produktivität gesprochen. Weniger oft wird gefragt: Womit identifizieren sich die Menschen eigentlich? Wo bringen sie freiwillig Energie rein, die über das Pflichtprogramm hinausgeht?

In der Softwareentwicklung ist dieses Muster täglich zu beobachten. Ein Entwickler blüht bei komplexen Architekturthemen auf, ein anderer wird lebendig, wenn er direkt mit dem Kunden spricht. Jemand ist in seinem Element bei Code-Reviews und Qualitätssicherung, ein anderer bei der Automatisierung von Prozessen.

Alle können ihre zugewiesenen Aufgaben erledigen. Aber die Qualität und das Engagement sind messbar anders, wenn die Aufgabe zur Person passt. Das ist keine neue Erkenntnis, aber sie wird in der täglichen Praxis selten konsequent umgesetzt.

Die Gründe dafür sind nachvollziehbar: Aufgaben werden nach Verfügbarkeit verteilt, nicht nach Neigung. Deadlines lassen wenig Spielraum für optimale Besetzung. In kleineren Teams muss jeder alles machen. Das sind reale Einschränkungen.

Trotzdem lohnt es sich, innerhalb dieser Einschränkungen so viel Passung wie möglich herzustellen. Das bedeutet nicht, dass jeder nur noch das macht, was ihm Spaß macht. Es bedeutet, dass die Aufgabenverteilung die individuellen Stärken und Interessen berücksichtigt, wo immer es möglich ist. Der Aufwand dafür ist gering. Die Wirkung auf Engagement und Ergebnisqualität ist erheblich.

Fazit

Eine Woche Schülerpraktikum hat etwas verdeutlicht, das in der täglichen Teamarbeit leicht untergeht: Der Unterschied zwischen Aufgabenerledigung und Aufgabenidentifikation ist sichtbar, messbar und gestaltbar. Die Aufgabe der Führung ist nicht, alle in die gleiche Form zu pressen. Sie ist, herauszufinden, wo die Passung zwischen Person und Aufgabe am größten ist, und diese Passung aktiv zu gestalten.

Meine Tochter wird keine ITlerin. Aber sie hat in einer Woche etwas sichtbar gemacht, das in vielen Teams übersehen wird.

Torsten Kruse

Torsten Kruse

Torsten Kruse ist Gründer und Geschäftsführer der COMINTO GmbH in Düsseldorf. Seit 1999 entwickelt sein Team prozess- und datengetriebene Geschäftsanwendungen für Mittelstand und Konzerne. Technische Schwerpunkte sind Java, Vaadin, die Modernisierung gewachsener Systeme und der pragmatische Einsatz von KI in der Softwareentwicklung. Auf diesem Blog teilt er, was sich in über 25 Jahren Projektpraxis bewährt hat. Und was nicht.